Die Jenoptik AG ist in den Bereichen Clean Systems Technology (Reinraumtechnik) und Photonics (Laser) engagiert. Der Bereich des Asset Managements wurde in 2002 entkonsolidiert. Die Gesellschaft lud am 18.6.2003 zu ihrer Hauptversammlung in die Messe nach Erfurt ein, wo sich auch ein Vertreter von GSC Research einfand. Der Aufsichtsratsvorsitzende Roland Schelling eröffnete die Veranstaltung um 11 Uhr, begrüßte die rund 400 Aktionäre und Gäste und übergab nach der Abhandlung der Formalien das Wort an den Vorstandsvorsitzenden Dr. Lothar Späth.
Bericht des Vorstands
In der Rede von Dr. Späth schwang etwas Wehmut mit, da dies die letzte Hauptversammlung der Jenoptik sein würde, der er als Vorstandsvorsitzender vorstehen wird. "Das Jahr 2002 war kein Jahr der weltweiten Rekorde bei Wachstum und Ertrag, und schon gar nicht in der deutschen Wirtschaft", so seine einleitenden Worte.
Das wichtigste Arbeitsfeld Clean Systems, welches unmittelbar an der Branchenkonjunktur der Halbleitermärkte hängt, hat sich entgegen aller Prognosen nicht erholt. Allerdings verwies Dr. Späth auf den dennoch auf hohem Niveau verharrenden Auftragseingang des laufenden Geschäftsjahres. Im Unternehmensbereich Clean Systems ist die Jenoptik mittlerweile anerkannter Systemanbieter für die Halbleiter-, die Solar- und Pharmaziebranche. Der konsequente Aufbau von Know-how im Bereich der Reinstraumtechnologie und der Fertigungsprozesse hat der Jenoptik trotz der weltweiten Wirtschafts- und Investitionsflaute im letzten und auch in diesem Jahr schon eine große Zahl von wichtigen Aufträgen gebracht.
Die zweite wichtige Säule der Jenoptik-Gruppe ist der Hochtechnologiebereich Photonics. Das Betriebsergebnis dieser Gruppe hat sich von 1998 bis 2002 vervierfacht, und die Rendite auf die Wertschöpfung ist von 7 Prozent auf 16,3 Prozent gestiegen. Der Fokus der Erweiterungsinvestitionen liegt in den nächsten Jahren vor allem in der Optoelektronik, und hier vor allem in Jena. "Die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft der Jenoptik AG auch nach meinem Abschied sind gestellt", so Herr Späth abschließend.
Vorstand Alexander von Witzleben übernahm dann im Folgenden den Bericht über die Finanzzahlen. Der Umsatz des Konzerns fiel mit 1,584 Mrd. EUR um 20,8 Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Der Jahresüberschuss lag bei 40,3 Mio. EUR, und das Betriebsergebnis betrug 64,8 Mio. EUR. Während der Unternehmensbereich Photonics das Betriebsergebnis weiter steigern konnte, hat sich dieses in den Unternehmensbereichen Clean Systems und Asset Management deutlich verringert.
Insbesondere aufgrund von Auftragsverschiebungen ist der Umsatz der Sparte Clean Systems um 21,7 Prozent auf 1,308 Mrd. EUR zurückgegangen, und das Betriebsergebnis verringerte sich um 20,3 Mio. EUR auf lediglich 26,4 Mio. EUR. Mit verantwortlich hierfür ist ein Jahresfehlbetrag der US-Tochter M+W Zander in Höhe von 13,6 Mio. EUR. Das Segment Facility Management konnte dagegen einen leichten Anstieg des EBIT um 11,9 Prozent verzeichnen. Dieser von der Konjunktur relativ unabhängige Bereich soll weiter ausgebaut werden. Für 2003 erwartet man hier nach der vollständigen Übernahme der GTG-Gruppe einen Umsatz von rund 400 Mio. EUR.
Zum siebten Mal in Folge konnte dagegen der Unternehmensbereich Photonics seinen Umsatz erhöhen. Dieser ist um 1,5 Prozent auf 268,2 Mio. EUR gestiegen. Das EBIT kletterte um 10 Prozent auf 27,6 Mio. EUR, was vor allem auf den Bereich der Elektro-Optik zurückzuführen ist.
Das Betriebsergebnis im Unternehmensbereich Asset Management in Höhe von 29,3 Mio. EUR setzt sich aus dem Verkauf von Aktien der DEWB an den Jenoptik Pension Trust und der vollständigen Entkonsolidierung dieses Unternehmensbereichs zusammen. Mittlerweile hat die Jenoptik rund 40 Mio. EUR in den Pension Trust eingebracht. Auf diese Weise wird die Bilanzstruktur der Jenoptik AG deutlich verbessert. Durch die Entkonsolidierung der DEWB AG werden die Ergebnisprognosen der Jenoptik AG insgesamt sicherer und verlässlicher.
Trotz Konjunkturschwäche und Halbleiterkrise erreichte der Auftragseingang des Jenoptik-Konzerns mit 2,14 Mrd. EUR eine neue Bestmarke. Vor allem im Unternehmensbereich Clean Systems hat der Auftragseingang zugenommen. Dieser stieg um 20,1 Prozent auf 1,9 Mrd. EUR. Wichtige Ordereingänge kamen beispielsweise aus China im Bereich der Halbleiterindustrie und aus dem Bereich des Facility Managements.
Im ersten Quartal 2003 legte die Jenoptik-Gruppe beim Umsatz um 4 Prozent auf 263 Mio. EUR zu, und der Auftragsbestand erreichte 2,8 Mrd. EUR. Im Bereich Clean Systems sind somit 70 bis 80 Prozent des Umsatzes für 2003 abgedeckt.
Allgemeine Diskussion
Für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) meldete sich Malte Diesselhorst zu Wort und konstatierte, dass insbesondere der Bereich Photonics in Zukunft aufgrund seiner Ertragsstärke weiter ausgebaut werden sollte. Den Bereich Clean Systems sieht er dagegen in einem schwierigen Umfeld. Die Eigenkapitalrendite ist nach Ansicht von Herrn Diesselhorst stark verbesserungswürdig und müsste deutlich gesteigert werden. Abzulesen sei das auch am Umsatz je Mitarbeiter, welcher von 299 TEUR auf nur noch 180 TEUR zurückgegangen ist. Abschließend interessierten ihn eventuelle Nachschusspflichten aus dem Verkauf der DEWB-Aktien an den Pension Trust, da sich ja mittlerweile der Kurs deutlich von den 13 EUR entfernt habe.
In seiner Antwort betonte Herr Witzleben, dass generell Nachschusspflichten gegenüber dem Pension Trust im Zusammenhang mit den Aktien der DEWB bestehen. Man habe aber erst einmal 10 Jahre Zeit, um zu sehen, wie sich diese entwickeln.
Im Anschluss legte Herr Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) dar, dass die Jenoptik ohne den Sondereffekt des Aktienverkaufs an den Jenoptik Pension Trust lediglich einen Jahresüberschuss von 12,4 Mio. EUR anstatt der rund 40 Mio. EUR erwirtschaftet hätte. Dann meinte er noch, im Falle der Jenoptik AG freue man sich bei der SdK, wenn entgegen den Empfehlungen des Corperate Governance-Kodex Dr. Späth den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen wird.
Die nächsten Redner waren Herr Widmer und Herr Kremer. Ihre Fragen bezogen sich auf Vorgänge, welche mit der Insolvenz der Schneider Technologies AG in Türkheim zusammenhängen. Dabei ging es um zahlreiche Interna, welche Person wann mit wem über was gesprochen hat. Schwerpunkt war der Vorwurf fehlerhafter RGB-Laser, die von einer Tochter der Jenoptik hergestellt wurden und letztlich zur Insolvenz der Schneider AG geführt haben sollen. Die gestellten Gegenanträge zielten darauf ab, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten.
Herrn Kremer interessierte, ob man angesichts von 500 Mio. EUR Bankverbindlichkeiten in der AG eine Insolvenz derselben ausschließen kann. Abschließend interessierten ihn die Einstellungskriterien bei der Jenoptik AG, nachdem Herr Schimanski, welcher früher bei der Schneider Technologies AG in verantwortlicher Position tätig war, nun Geschäftsführer der von der Jenoptik erworbenen ehemaligen SLT GmbH ist.
Die Fragen dieser beiden Herren wurden von der Verwaltung nicht zugelassen, da diese absolute Interna des Jenoptik-Konzerns beträfen. Da diese auch nicht vorher schriftlich eingereicht worden waren, war eine Beantwortung der zahlreichen Fragen zeitnah auch nicht möglich. Sollten die beiden Aktionäre hiermit nicht einverstanden sein, stehe ihnen der Klageweg offen.
Herr Pfingsten und Herr Baumhof dankten abschließend noch dem scheidenden Vorstandsvorsitzenden Dr. Späth für die vielen erfolgreichen Jahre in Thüringen. Lob gab es insbesondere für die generell erfolgreiche Unternehmenspolitik.
Abstimmungen
Auf der Hauptversammlung vertreten waren 19.631.198 Stückaktien mit der gleichen Anzahl von Stimmen entsprechend 48,31 Prozent. Sämtliche Beschlüsse wurden nahezu einstimmig gefasst. Im Einzelnen waren dies die Verwendung des Bilanzgewinns (TOP 2), die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4), die Wahl des Abschlussprüfers und des Konzernabschlussprüfers für das Geschäftsjahr 2003 (TOP 5), die Ermächtigung zum Erwerb und zur Veräußerung eigener Aktien (TOP 6), Änderungen der Satzung zur Anpassung an Gesetzesänderungen (TOP 7) und die Wahlen zum Aufsichtsrat (TOP 8).
Fazit
Die Jenoptik AG ist in ihren nunmehr zwei Unternehmensbereichen gut aufgestellt. Zwar lässt die Marge gerade im Bereich der Clean Systems Wünsche offen, doch war das Erreichen der Umsätze in diesem Bereich nur auf Kosten der Marge möglich. Das Erweitern der Geschäftsbasis auf neue Kundenfelder war sehr richtig und vermindert die Abhängigkeit von den Halbleitermärkten. Der Geschäftsbereich Photonics ist zwar deutlich kleiner, allerdings margenstärker und wachstumsstabiler. Aus diesem Grund wird in diesem Segment der Schwerpunkt der künftigen Entwicklungen liegen.
Von einem Anziehen der Halbleitermärkte sollte der Bereich Clean Systems überproportional profitieren, während der Bereich Photonics die Früchte der hohen Investitionen der vergangenen Jahre ernten kann. Angesichts einer wieder höheren Dividende für 2003 und sich verbessernder Margen in beiden Geschäftsfeldern kann man sich das Unternehmen auf dem gegenwärtigen Niveau durchaus genauer anschauen.
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