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Foto: Südkurier
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Die selbsternannten Streiter gegen "rechtsstaatliches Unrecht und richterliche
Willkür" haben für ihren Aufklärungsabend im Hotel Widerhold am Fuße des
Hohentwiels noch eine Übertragung auf eine Großleinwand auf dem Parkplatz
angekündigt. Falls der Platz im großen Saal der Singener Gaststätte nicht
ausreichen würde. Doch im Saal nehmen gerade mal hundert Besucher Platz, um
sich den Vortrag "Betrugsaffäre bei der Sparkasse
Singen-Radolfzell" anzuhören. Die Veranstalter reden zwar von 200
Besuchern, doch solche, die öfter im Widerhold sitzen und Wirtin Rosi Litz
bleiben bei der Zahl - es waren hundert.
Dabei wollen doch der Gailinger Bauunternehmer Heribert Kempen, sein aus
Göttingen kommender Anwalt Matthias Schatz, der Gailinger Arzt Michael
Psczolla und der Münchner Kunde Andreas Netzel von einem
"Skandal"
berichten.
Michael Psczolla hat keine Hemmungen bei der Wortwahl, er
beleidigt
Bank, Politik, Justiz, Medien. Psczolla spricht von einem
"machtpolitischen Schurkenstück", von "kriminellen
Machenschaften". Er habe Sorge um die "körperliche Unversehrtheit"
von Heribert Kempen, es gäbe entsprechende Hinweise. Psczolla versteigt sich
zu der Behauptung, Widerhold-Wirtin Rosi Litz sei unter Druck gesetzt worden,
damit sie ihre Räume nicht für diesen Anlass vermieten sollte. Michael
Psczolla sollte bei Diagnosen auf Augenhöhe besser vorbereitet sein. Noch
während seiner Beschuldigungen schüttelt Rosi Litz den Kopf. Später erklärt
die Wirtin, dass sie von niemand unter Druck gesetzt worden sei, die von
Psczolla vorgebrachten Verdächtigungen habe sie zum ersten Mal gehört.
Das wahllose
Beschuldigen hat Methode bei Heribert Kempen und seinen geschäftlichen
Freunden. Um den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen kümmern sie sich
offensichtlich wenig. Daran ändert das Hin- und Herschieben von Formularen,
Kontoauszügen und Anwaltsschreiben des Heribert Kempen auf einem
Tageslichtprojektor auch nichts. Was soll das beweisen? Mal ist Kempen bei
seinem Vortrag im Jahr 2000, mal im Jahr 2003 und dann doch wieder im Jahr
2000. Das macht die Vorwürfe nicht plausibler. "Man kann hier bald von einer
kriminellen Bande sprechen", gipfelt Kempens Tirade gegen die Sparkasse
am Ende seines Vortrags.
Was ist passiert? Kempen wollte in der sächsischen Stadt Penig ein Projekt
auf einem alten Bauernhof hochziehen.
Weil die Zufahrt nicht ausreichend
geregelt war, sei Kempens Firmengruppe durch die darauf folgenden rechtlichen
Auseinandersetzungen in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die geplante
Auffanggesellschaft der Kempengruppe sei dann an der Kündigung aller Konten
durch die Sparkasse Singen-Radolfzell gescheitert. Zudem seien eingehende
Gelder von Andreas Netzel für die Begleichung fälliger Zinsen verbucht
worden. Die Sparkasse sagt auf "schriftliche Anweisung"
von Heribert Kempen. Heribert Kempen sagt, die Umbuchung sei widerrechtlich und würde gegen die
Makler- und Beitragsverordnung verstoßen. Die Sparkasse
betreibt inzwischen ihre Forderungen in Millionenhöhe gegen Kempen im Wege
der Zwangsvollstreckung, Kempen wehrt sich mit Strafanzeigen gegen die
Sparkasse und einer Schadensersatzforderung in der von ihm schwindelerregend
hochgerechneten Höhe von 106 Millionen Euro. Bei seinem Feldzug unterstützen ihn
Andreas Netzel und Michael Psczolla, beide haben von Kempen Wohnungen
gekauft. Und damit offensichtlich Geld in den Sand gesetzt. Alle drei haben
beim Monopoly im Osten Geld verloren und fordern jetzt mit gereizten
Grimassen, dass die Sparkasse für die Verluste ihrer
Spekulation aufzukommen habe.
Über dieses Ansinnen müssen Gerichte entscheiden, obwohl die Lautstarken
schon im Vorgriff die Unabhängigkeit der Justiz
in Zweifel ziehen. Kempen:
"Die Justiz deckt das Ganze."
Über die Glaubwürdigkeit von Heribert Kempen kann man sich unabhängig von
der Entscheidung der Gerichte seine Gedanken machen. Im Widerhold berichtet
er ausladend über seine Zeit, "als er 170 Menschen in Lohn und Brot
gesetzt" habe. Bar habe er damals seinen Jaguar im Autohaus Gohm
bezahlt. Jetzt habe ihm Geschäftsführer Ewald Gohm berichtet, weil er,
Kempen, keine Autos mehr bei ihm kaufen würde, hätte das Autohaus zwei
Stellen streichen müssen. Ein Anruf bei Ewald Gohm
löst nur ein schallendes
Lachen aus: "Das ist doch absoluter Quatsch und dummes Zeug." Was
den Verdacht nährt, dass Kempen und Co. mit einer nach dieser Art gestrickten
Ware gerade einen schwunghaften Handel betreiben.
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