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ENTENJAGD

ODER :   Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge!

Im Folgenden finden Sie den Artikel vom 20.3.04 aus dem "Südkurier". Darin tummeln sich munter ein paar Entlein. Wenn Sie diese "fangen" (anklicken), sind Sie ein Stückchen näher an der Wahrheit dran:


20.03.2004 06:22

Gereizte Grimassen beim Monopoly

Kempen, seine Freunde und der vermeintliche Sparkassen-Skandal

 

Konstanz

VON GEORG BECKER

 

 

Heribert Kempen
Foto: Südkurier
Die selbsternannten Streiter gegen "rechtsstaatliches Unrecht und richterliche Willkür" haben für ihren Aufklärungsabend im Hotel Widerhold am Fuße des Hohentwiels noch eine Übertragung auf eine Großleinwand auf dem Parkplatz angekündigt. Falls der Platz im großen Saal der Singener Gaststätte nicht ausreichen würde. Doch im Saal nehmen gerade mal hundert Besucher Platz, um sich den Vortrag "Betrugsaffäre bei der Sparkasse Singen-Radolfzell" anzuhören. Die Veranstalter reden zwar von 200 Besuchern, doch solche, die öfter im Widerhold sitzen und Wirtin Rosi Litz bleiben bei der Zahl - es waren hundert.

Dabei wollen doch der Gailinger Bauunternehmer Heribert Kempen, sein aus Göttingen kommender Anwalt Matthias Schatz, der Gailinger Arzt Michael Psczolla und der Münchner Kunde Andreas Netzel von einem Nicht nur von einem Skandal! "Skandal" berichten. Michael Psczolla hat keine Hemmungen bei der Wortwahl, er beleidigt Er nennt Roß und Reiter! Bank, Politik, Justiz, Medien. Psczolla spricht von einem "machtpolitischen Schurkenstück", von "kriminellen Machenschaften". Er habe Sorge um die "körperliche Unversehrtheit" von Heribert Kempen, es gäbe entsprechende Hinweise. Psczolla versteigt sich zu der Behauptung, Widerhold-Wirtin Rosi Litz sei unter Druck gesetzt worden, damit sie ihre Räume nicht für diesen Anlass vermieten sollte. Michael Psczolla sollte bei Diagnosen auf Augenhöhe besser vorbereitet sein. Noch während seiner Beschuldigungen schüttelt Rosi Litz den Kopf. Später erklärt die Wirtin, dass sie von niemand unter Druck gesetzt worden sei, die von Psczolla vorgebrachten Verdächtigungen habe sie zum ersten Mal gehört. Das wahllose Alles Wahrheiten! Beschuldigen hat Methode bei Heribert Kempen und seinen geschäftlichen Freunden. Um den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen kümmern sie sich offensichtlich wenig. Daran ändert das Hin- und Herschieben von Formularen, Kontoauszügen und Anwaltsschreiben des Heribert Kempen auf einem Tageslichtprojektor auch nichts. Was soll das beweisen? Mal ist Kempen bei seinem Vortrag im Jahr 2000, mal im Jahr 2003 und dann doch wieder im Jahr 2000. Das macht die Vorwürfe nicht plausibler. "Man kann hier bald von einer kriminellen Bande sprechen", gipfelt Kempens Tirade gegen die Sparkasse am Ende seines Vortrags.

Was ist passiert? Kempen wollte in der sächsischen Stadt Penig ein Projekt auf einem alten Bauernhof hochziehen. Unter anderem! Weil die Zufahrt nicht ausreichend Gar nicht! geregelt war, sei Kempens Firmengruppe durch die darauf folgenden rechtlichen Auseinandersetzungen in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die geplante Auffanggesellschaft der Kempengruppe sei dann an der Kündigung aller Konten durch die Sparkasse Singen-Radolfzell gescheitert. Zudem seien eingehende Gelder von Andreas Netzel für die Begleichung fälliger Zinsen verbucht worden. Die Sparkasse sagt auf "schriftliche Anweisung" MaBV! von Heribert Kempen. Heribert Kempen sagt, die Umbuchung sei widerrechtlich und würde gegen die MaBV! Makler- und Beitragsverordnung verstoßen. Die Sparkasse betreibt inzwischen ihre Forderungen in Millionenhöhe gegen Kempen im Wege der Zwangsvollstreckung, Kempen wehrt sich mit Strafanzeigen gegen die Sparkasse und einer Schadensersatzforderung in der von ihm schwindelerregend hochgerechneten Höhe von 106 Millionen Euro. Bei seinem Feldzug unterstützen ihn Sind Geschädigte! Andreas Netzel und Michael Psczolla, beide haben von Kempen Wohnungen gekauft. Und damit offensichtlich Geld in den Sand gesetzt. Alle drei haben beim Monopoly im Osten Geld verloren und fordern jetzt mit gereizten Grimassen, dass die Sparkasse für die Verluste ihrer Der gesamte Konzern! Spekulation aufzukommen habe.

Über dieses Ansinnen müssen Gerichte entscheiden, obwohl die Lautstarken schon im Vorgriff die Unabhängigkeit der Justiz Das ist bis dato bewiesen! in Zweifel ziehen. Kempen: "Die Justiz deckt das Ganze."

Über die Glaubwürdigkeit von Heribert Kempen kann man sich unabhängig von der Entscheidung der Gerichte seine Gedanken machen. Im Widerhold berichtet er ausladend über seine Zeit, "als er 170 Menschen in Lohn und Brot gesetzt" habe. Bar habe er damals seinen Jaguar im Autohaus Gohm bezahlt. Jetzt habe ihm Geschäftsführer Ewald Gohm berichtet, weil er, Kempen, keine Autos mehr bei ihm kaufen würde, hätte das Autohaus zwei Stellen streichen müssen. Ein Anruf bei Ewald Gohm Der war gar nicht da! löst nur ein schallendes Lachen aus: "Das ist doch absoluter Quatsch und dummes Zeug." Was den Verdacht nährt, dass Kempen und Co. mit einer nach dieser Art gestrickten Ware gerade einen schwunghaften Handel betreiben.

 

Nachwort des Redakteurs

Zuerst habe ich gedacht: Boah! Der "Südkurier"-Becker kann ja mehr, als nur kurze und nichts sagende Annoncen verfassen. Sollte man vielleicht bei den Schweizer Nachbarn gelernt haben?

Aber dann habe ich begonnen, das Ganze auf Punkt und Komma zu lesen. Jetzt bin ich soweit, daß ich am liebsten jeden Satz (einschließlich der Überschrift) mit einer Watschelente versehen möchte!

Am meisten hat mich das mit der Bauträger-Beitrags-Verordungs-Verwechslung stutzig gemacht. Das ist kein Lapsus. Wenn ich nicht weiß, wie das Kind heißt, dann informiere ich mich, ehe die Sache in den Druck geht, denn so ist das ja richtig falsche Information an die Massen, oder sehe ich da was verkehrt?

Nun ja, wenn ich den Germanisten in mir wecke, beginnen gleichzeitig die Fußnägel sich zu kräuseln bei dieser Vergewaltigung unserer schönen deutschen Muttersprache. Das betrifft vor allem die Zeichensetzung bei einigen Satzkonglomeraten, die teils nur durch Wohlwollen gegenüber dem Autor verstanden werden können.

Ein Satz ist dabei ohne Prädikat, das heißt, ohne Aussage. Das ist ein durchaus probates stilistisches Mittel, aber in diesem Falle symptomatisch für den gesamten Aufsatz:
OHNE AUSSAGE!

Graupzig, 21.3.2004

Siegfried Wilhelm