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Flutkatastrophe 2003 - wer sind die wahren Schuldigen am Ausmaß der Zerstörung?

Ein herzliches Dankeschön und ein dickes Lob an die Autoren dieses Beitrags, Herren Lutz Mükke und Mathias Werth für diese wirklich gelungene Reportage! Und sauber recherchiert!!

Zwar im Herzen Sachsens wohnend, habe ich die "Flutkatastrophe", wie sie allgemein tituliert wird, nur aus den Medien so richtig mitgekriegt. Wir selbst haben fast eine Woche wie auf einer Insel gelebt, aber die Auswirkungen an sich waren nicht so verheerend, weil es ein "normales" Hochwasser gewesen ist, d.h. es kommt und geht mit der Allüre einer Sinuskurve. Das, was sich in den Unterläufen der Talsperren abgespielt hat, ähnelte mehr einer Sägezahnkurve mit einer alles zerstörenden Flutwelle voran, die sich mit brachialer Gewalt ihren Weg bis hin in's Flachland gebahnt hatte. Das ist an sich nicht normal und meiner Ansicht nach "handmade", wie ich es neudeutsch nennen würde. Deshalb habe ich schon lange auf so einen Beitrag gewartet, wo das Kind endlich mal beim Namen genannt wird.

Im Umfeld der Ereignisse des August 2002 habe ich auf einer Internetseite der TU Dresden, glaube ich jedenfalls, einen Beitrag darüber gefunden, wieviel Stauraum die Talsperren vorhalten müßten für den Hochwasserschutz, und man brüstete sich mit den 'zig Millionen cbm und daß man sogar 1/3 mehr Stauraum vorgehalten hatte, als staats-amtlich festgelegt.

Das hat mich gereizt! Ich also Rechenschieber und Lineal raus, Karte vom Erzgebirge ran und gemessen und berechnet. Nach meinen Erkenntnissen ist Stauraum bereitgehalten worden für eine Niederschlagsmenge von etwa 100 mm/24 h, gekommen sind aber deutlich mehr! Die Witterungslage war analog zu der im Harz gut 3 Wochen zuvor. Bereits dort waren es wesentlich mehr als 100 mm Niederschlag binnen 24 h. Ein halberwege vernunftbegabtes Wesen hätte sofort als die Wolken sich zu dräuen begannen den Stöpsel ziehen und die Becken leerlaufen lassen müssen. So aber klammerte man sich an die Vorgaben von irgendwelchen Amtsnasen und es kam an allen Talsperren quasi gleichzeitig zum Notablaß, der dann in Verbindung mit der ohnehin um das gut 10-fach erhöhten Durchflußmenge in Kollision geraten ist und die Flutwelle, die eine Höhe von bis zu 4 m erreicht haben soll (dem Hörensagen nach!), erzeugt hat.

Es wäre eine reine Fleißarbeit zu prüfen, zu welch drolligen Späßen die Hochwasserschutzanlagen mißbraucht werden und worden sind. Aber wenn so mit den Naturgewalten gespielt wird, braucht man sich über nix mehr zu wundern. Übrigens fand auf der Malter-Talsperre (Überflutung von Glashütte!) an selbigem Wochenende das Malter-Fest statt, das auf keinen Fall durch so eine Micky-Maus-Attacke wie einem mittleren Landregen in Gefahr hat gebracht werden dürfen. Und, jede Wette, in den anderen Talsperren war das nicht wesentlich anders. Das Hochwasserrückhaltebecken in Rossau (mit EU-Fördermitteln errichtet im Landkreis Mittweida) wurde für etliche Millionen an einen Privatmann verschachert, der dann eine Wasserskianlage darin errichtete. Und die funktioniert nur dann, wenn da Wasser drin ist. Als Rückhaltebecken funktioniert sie nur dann, wenn keins drin ist...

Und daß sich jetzt diese Hobbypolitiker hinstellen und im inbrünstigen Ton der Überzeugung meinen, das Hochwasserschutzsystem in Sachsen sei sowas von flüssig - dann ist das eine reine Schutzbehauptung, um sich selbst vor der Gefahr zu bewahren, gelyncht zu werden. Aber das ist nicht der einzige Skandal in Sachsen. Eine Sammlung dessen finden Sie auf der Site:

www.skandale-in-sachsen.de

29.7.03

Siegfried Wilhelm

 


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